Drei Studenten aus dem Fachbereich Industriedesign gewannen beim Mia Seeger Preis den ersten Preis. Franka Wehr (M.A.) mit Ihrem Master-Thesis Projekt “spc_20″, Jan Meissner mit seiner Bachelor-Thesis Arbeit “Urban Mining/Restructuring” und Vanessa Katzmann mit Ihrem Bachelor-Thesis Projekt “sonus” stellten sich der hochkarätigen Mia Seeger Jury – und überzeugten.
Wir nehmen diese Auszeichnungen zum Anlass und wollen die drei prämierten Projekte hier einmal vorstellen:
spc_20 von Franka Wehr
Zentrales Thema der Master Thesis ist der im Ozean schwimmende und stetig wachsende Kunststoffteppich. Dieser stellt ein Problem für unsere Natur und Gesundheit dar. Mit dem Aufkommen der industriellen Produktion von Kunststoffen in den 60er Jahren kam auch ein neues, erweitertes Müllproblem auf. Kunststoffabfall, der einmal in die Meeresstrudel gerät, bleibt dort mehrere Jahre und wird in winzige Teile zersetzt. Doch nicht nur Kleinstteile, sondern auch große Kunststoffabfälle sind für die Tierwelt eine Gefahr. Der Kunststoff verrottet nicht in den Meeren, sondern setzt im Zuge der physikalischen Zerkleinerung Schadstoffe frei und fungiert als Schwamm für Umweltgifte. Die Problematik verschärft sich, wenn Meeresbewohner die Kleinstteile mit Nahrung verwechseln und zu sich nehmen. So geraten der Kunststoff und dessen Schadstoffe in die Nahrungskette – vom Ozean über den Fisch auf den Teller des Menschen und in dessen Körper hinein.
Das System spc_20 wurde von Frank Wehr entwickelt, um die Sammlung des Kunststoffmülls aus den Meeren zu ermöglichen: Zum Einen müssen Wege und Möglichkeiten gefunden werden, den Zufluss vom Müll in die Meere zu stoppen. Aber dennoch bleiben die bisher in den Ozean geratenen Kunststoffabfälle dort erhalten. Deshalb besteht zum Anderen die Aufgabe, diesen Kunststoff aus dem Ökosystem zu entfernen und so weitere Auswirkungen auf unsere Umwelt und Gesundheit in den Griff zu bekommen. Das spc_20 ist ein für den Ozean konzipiertes schwimmendes System zum Sammeln dieser Kunststoffabfälle. Mit den heutigen Möglichkeiten zur Weiterverwertung von Kunststoffabfällen sind die Abfälle auch nicht als Müll sondern vielmehr als Rohstoff zu betrachten. Statt vom Müll beseitigen, kann man von Rohstoffe ernten sprechen.
Die Anlage spc_20 sammelt mit ihrer Gesamtlänge von fast 1100 Metern möglichst viel im Wasser treibenden Kunststoffmüll auf. Die schiefen Ebenen der Strände reichen bis zu 10 Meter unter die Wasseroberfläche und befördern so auch tiefer treibenden Müll in die Sammelbecken.
Urban Mining/Restructuring von Jan Meisser
Wie dekonstruiert man einen Wolkenkratzer? – Mit einem semi-automatischen System aus Fräsrobotern, Setzern, Schutzrahmen und Schredder-Sortierer. Fräsroboter, zusätzlich mit Schneidbrennern ausgerüstet und so gesetzt, dass die Schwenkbereiche ihrer Arme die ganze Geschossfläche überdecken, tragen ein Stockwerk ums andere ab.
Durch Kanäle außen am Gebäude gelangt der Abraum nach unten, wird dort geschreddert und nach Glas, Beton, Stahl und Restmüll sortiert. Der X-Rahmen und die daran aufgehängte Schutzhülle wandern mit fortschreitendem Abbau nach unten
Die Aufgabe gleicht der, einen Tunnel zu bohren, nur eben von oben nach unten, inmitten lauter Hochhäuser und bei uneingeschränktem Straßenverkehr. Die Lösung stützt sich auf heute verfügbare Technologien. Sie beansprucht, zeiteffizient und ökonomisch, dabei ökologisch und unschädlich für Menschen und Umgebung zu sein. Insofern ist sie nicht utopisch, wohl aber visionär für eine auf Lebensqualität und Rückbau gerichtete Stadtentwicklung:
Das Argument „alternativlos!“ hat ausgedient.
Prof. Detlef Rhein, der Franka Wehr und Jan Meissner betreute, beschreibt die Arbeiten wie folgt:
“Beide Konzepte zielen maßgeblich auf Ressourcenverwertung und zeigen sämtliche Prozessschritte im Funktionsablauf.”
sonus − Das Konzept einer Stimmprothese von Vanessa Katzmann
Die Entfernung des Kehlkopfs und damit der Verlust der Stimme als auch die bleibende Halsatmung sind für den Betroffenen ein einschneidendes Ereignis. Sonus gibt ihm nicht nur eine natürliche Stimme, sondern auch eine hohe Qualität der Anschlussfähigkeit in sein soziales Umfeld zurück.
Die Stimmprothese besteht aus einer Gaumenplatte und einem Nasenstecker. Spricht der Träger so, wie er es gewohnt ist, werden die stimmbildenden Zungenbewegungen mithilfe einer hochkomplexen Drucksensorik in Laute übersetzt. Dabei wandelt eine Software die Messergebnisse in Sprachsignale um, die zum Lautoutput zu dem im Nasenstecker befindlichen Lautsprecher gesandt werden. Die Interaktion mit dem System erfolgt über die Zunge. Zur Steuerung der Stimmprothese dienen sowohl die hinter den Eckzähnen positionierten Drucksensoren (ein/aus, Modi zur sinngerechten Betonung) als auch die 126 Drucksensoren zur Spracherkennung, die gleichzeitig als sensorische „Touchfläche“ dienen (Lautstärkeregelung).
Die Anfertigung des Individualproduktes und die Einübung des Gebrauchs sind in den übrigen Behandlungsverlauf eingebettet und geben dem Erkrankten eine Aussicht auf seine neue Stimme mit auf den Weg der Krankheitsbewältigung.
Betreut wurde die Bachelor-Thesis Arbeit von Prof. Frank Jacob.
Die MUID Redaktion beglückwünscht die drei Studenten zu Ihren Arbeiten und freut sich mit dem gesamten Fachbereich über Ihre Auszeichnungen!


